🚲 Reisen & Radtouren

Ich wollte mit dem Rad an die Ostsee und bin in einem Kuhstall aufgewacht

14. September 2026 · 2 Min. Lesezeit

Es fing alles ganz harmlos an. Ich hatte ein Fahrrad, zwei Packtaschen und den festen Plan, die Ostsee zu sehen. Was ich nicht hatte: eine Karte, ein funktionierendes Handy-Ladekabel und auch nur den Hauch eines Orientierungssinns.

Tag 1: Optimismus

Die ersten 40 Kilometer liefen fantastisch. Die Sonne schien, die Kette schnurrte, und ich habe mir selbst mehrfach laut gesagt, wie gut ich das mache.

„Navigation wird überbewertet. Ich folge einfach dem Wind!”

Das war, rückblickend, der Moment, in dem der Wind beschlossen hat, mich persönlich zu hassen.

Tag 2: Gegenwind, Gegenwind, Gegenwind

Ich weiß nicht, wie das physikalisch möglich ist, aber ich hatte den ganzen Tag Gegenwind. In alle Richtungen. Ich bin einmal testweise umgedreht. Auch Gegenwind.

Meine Ausrüstung an diesem Punkt:

  • 1 Fahrrad (beleidigt)
  • 2 Packtaschen (eine davon offen, seit Kilometer 12)
  • 0 Ahnung
  • Eine halbe Banane, die ich nicht mehr essen wollte, aber auch nicht wegwerfen konnte

Irgendwann wurde es dunkel, es fing an zu nieseln, und ich sah ein Licht. Ein Stall. Warm. Trocken. Mit Bewohnerin.

Brigitte

Brigitte ist eine Kuh. Brigitte hat mich die ganze Nacht angeschaut. Ich habe ihr alles erzählt: meine Träume, meine Ängste, meine Meinung zu Ananas auf Pizza. Sie hat nicht ein einziges Mal unterbrochen. Bester Zuhörer, den ich je hatte.

„Muuuh.”

Ich habe das als „Du schaffst das” interpretiert.

Das Ende

Am nächsten Morgen weckte mich ein Bauer namens Klaus. Er hat mir einen Kaffee gegeben und mir erklärt, dass die Ostsee in genau der anderen Richtung liegt.

Ich bin zurückgefahren. Mit Rückenwind. Natürlich.

Fortsetzung folgt. Brigitte, ich komme wieder.

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